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Halle Halle: Augenschmaus der Jahresausstellung

Von Theresa Henning 09.07.2007, 14:23

Halle/mz-web. - Los geht es mit Einbruch der Dämmerung. 28 geladene Gäste setzen kostümiert auf dem Wasserweg zu einem Floß über. Hier werden Sie in historischer Manier von einem Maître empfangen und an einer Festtafel platziert. Was dann folgt, kann wohl am besten mit einem Rausch der Sinne beschrieben werden. Die Tafel samt Mobiliar ist architektonische Extravaganz, auch Geschirr und Besteck sind Kunstobjekte für sich. Das choreographierte Lichtspiel und ein Streichkonzert untermalen die deliziöse Speisefolge. Zwei Stunden wird dieses Spektakel nicht nur für die Gäste, sondern auch für Besucher erlebbar sein.

28 kostümierte Personen, abgeschottet auf einem Floß, die unter den Blicken von hunderten Zuschauern Köstlichkeiten speisen – ist das nicht ein wenig dekadent? „Nein, gar nicht“, behauptet Vinzenz Warnke, „es ist Kunst in Aktion, eine Inszenierung, ähnlich einem Theaterstück. Die Eingeladenen sind gleichzeitig, wenn auch unbewusst, Schauspieler auf einer Bühne“. Erst ein Jahr ist Warnke in Halle. Und doch hat der Professor für „Multisensuelles Design“ zu Beginn des vergangenen Wintersemesters ein riesiges Projekt initiiert. So riesig, dass gleich zwei Semester daran gearbeitet wurde. „Mir ist es besonders wichtig zu zeigen, dass Kunst nicht nur zum Anschauen da ist“, beschreibt der 36-Jährige seine Intention. „Ich bin aber nicht zu meinen Studenten gegangen und habe gesagt ,Macht mir einen Sinn’, die Ideen sind vielmehr spontan im Verlauf der Arbeit entstanden.“

Vorgabe für die Studenten war neben dem Thema „Festmahl“ lediglich der Ort: ein unbeachtetes, fast vergessenes Bootshaus am Ufer der Saale, direkt auf dem Burg-Gelände am Neuwerk. Eine Herausforderung für die Studenten, dort gab es schließlich keinen festen Boden, nur Wasser. Die „schwimmende Festtafel“ nahm nach und nach Gestalt an, währenddessen entstanden jeweils Arbeitsgruppen für Geschirr, Besteck und Möbel – alles wurde selbst angefertigt – sowie eine Lichtgruppe. Bald stand auch die Gästeliste fest: darunter finden sich Professoren der Kunsthochschule und zahlreiche Helfer des Projekts.

Auf die Besucher wird am Samstagabend besonders die Beleuchtung des Ortes wirken. Das Geschehen zu Wasser wird aber gleichzeitig durch eine Bildübertragung und zahlreiche Audiobeiträge gespiegelt. Für die akustische Umsetzung der Festmahl-Idee hat sich Warnke mit einigen Studenten des Medienzentrums der Martin-Luther-Universität (MLU) zusammengeschlossen. „Diese Idee ist ganz spontan geboren“, erzählt Warnke. „Es würde mich freuen, wenn auch in Zukunft übergreifende Projekte entstehen könnten.“ Von einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen MLU und der Burg Giebichenstein würden sicherlich alle Beteiligten profitieren.

Auch die Bürger der Stadt Halle haben langfristig etwas von dem Projekt. Die Studenten haben einen bleibenden Ort geschaffen, hier soll später Raum sein für Ausstellungen, Modenschauen, denkbar seien auch ein Café oder eine Theaterbühne. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Festmahl-Event: Samstag, 14. Juli 2007, ab 21 Uhr. Campus Design, Neuwerk 7, Halle. Eintritt frei