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Fotounternehmer Fotounternehmer: Marxist und Millionär - Hannsheinz Porst

Von Malte Werner 30.04.2010, 14:11

Artelshofen/ddp. - Seinsozialistisches Experiment, das Unternehmen Photo-Porst ganz in dieHände der Mitarbeiter zu legen, scheiterte. Er selbst landete wegenlandesverräterischer Beziehungen zur DDR im Gefängnis. Am Donnerstagstarb Hannsheinz Porst im Alter von 87 Jahren an einem Herzleiden.

Geboren wurde Porst am 8. November 1922 in Nürnberg, drei Jahrenachdem der Vater in der Stadt einen kleinen Fotoladen eröffnethatte. Dort machte der Junior auch mittlere Reife. «Abitur brauchteich nicht, weil der Vater auch keines hatte», merkte Porst zu einem80. Geburtstag an. Vater Hanns hatte es auch so geschafft. Bereits inden 50er Jahren wuchs sein Unternehmen zu einem der größtenFotohäuser der Welt. Grund für den Erfolg des väterlichen Betriebswar laut Porst die grandiose Idee, dass die Kunden lediglich einFünftel ihrer zu entwickelnden Fotos anzahlen mussten. Der Restkonnte in bequemen Raten entrichtet werden.

Nach einer Werkzeugmacher-Lehre bei Kodak fand auch HannsheinzPorst Ende der 30er Jahre in den väterlichen Betrieb. 1960 übernahmer Photo Porst und führte die maschinelle Entwicklung ein. Während zuVaters Zeiten noch per Hand entwickelt wurde, ging nun allesschneller, die Qualität war besser und der Preis niedriger. Porstrühmte sich später mit den Worten: «Wir waren immer die schnellsten.»So sei es schon in den 60er Jahren möglich gewesen, morgens Bilderabzugeben und am Abend wieder abzuholen. Gleichzeitig baute Porst eindeutschlandweites Netz von Ladengeschäften auf - Ende der 70er Jahrezählte Photo Porst 1200 Vertriebsstellen.

Während sich das Unternehmen erfolgreich entwickelte, kam Porstwiederholt in Konflikt mit dem Gesetz. Zunächst musste er Mitte der60er Jahre wegen Steuerhinterziehung für einige Wochen ins Gefängnis.Sehr viel aufsehenerregender war jedoch seine Verurteilung wegenlandesverräterischer Beziehungen zum Ministerium für Staatssicherheit(MfS) der DDR im Jahr 1969. Porst sollte zwei Jahre und neun Monateins Gefängnis, wurde aber 1970 vorzeitig aus der Haft entlassen.

Die Geschichte fing damit an, dass ein Vetter von Porst nach demKrieg aus ideologischer Überzeugung in die DDR zog, der innigeKontakt aber bestehen blieb. In Porst reifte die Ansicht, dass diebeiden deutschen Staaten eine falsche Einschätzung voneinanderhatten. Er wollte, dass zwischen der Bundesrepublik und der DDR«endlich ein Dialog stattfindet», erinnerte sich Porst 2003 in einemInterview. So kam es, dass er heimlich Mitglied der SED wurde,während er gleichzeitig auch das FDP-Parteibuch führte. Außerdem trafer sich mit Markus Wolf, dem damaligen Chef-Spion der DDR. Allerdingsstritt Porst vehement ab, Geheimnisse verraten zu haben: «Ich war nieein Spion oder ein Landesverräter.»

Seine ideologische Nähe zum Sozialismus war kein Geheimnis. Nachseiner Entlassung führte er ein bisher einmaliges Systembetrieblicher Mitbestimmung ein. De facto überschrieb er seinFirmenimperium den Mitarbeitern. Alle Gewinne wurden unter diesenaufgeteilt, Porst selbst erhielt lediglich ein Gehalt.

Als er sich Ende der 70er ins Privatleben zurückzog, scheitertedas Modell jedoch. Die Mitarbeiter konnten den Konzern nichtvernünftig weiterführen. Porst kehrte daraufhin noch einmal zurück.In der Folge wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaftumgewandelt. Allerdings drängten immer mehr Konkurrenten mit einemeigenen Fotoversand, der Photo-Porst lange ausgezeichnet hatte, aufden Markt. Nach mehreren Eigentümerwechseln meldete die Photo PorstAG 2002 Insolvenz an und trat die Namensrechte an die Ringfoto-Gruppeab.

Der Vater von vier Kindern lebte bis zuletzt in seinem Haus immittelfränkischen Artelshofen. Dort widmete sich der Rentner nach demRückzug ins Private der Zucht von Rindern und erntete Obst und Gemüseim eigenen Gewächshaus. Auch im hohen Alter unternahm er noch weiteReisen mit seinem Wohnmobil - etwa nach Peking.