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Bildungsnot Bildungsnot: Auch Mütter und Großmütter lernen im Kindergarten

Von SUSANNE BERNSTEIN 24.10.2008, 17:14

BERNBURG/MZ. - Einmal im Monat steht für Mutter und Tochter dort Familiensport auf dem Plan. "Angelina genießt es, Zeit mit mir zu verbringen", sagt Melanie Mnich.

In der Volkssolidarität-Kindertagesstätte Friedrich Fröbel in Bernburg sind Eltern und Großeltern tagsüber gern gesehene Gäste. Seit gut einem Jahr ist die Einrichtung im Wohnviertel Süd-West ein sogenanntes Kind-Eltern-Zentrum, kurz KEZ. Für das vom Land geförderte Programm hat sich die Kita Friedrich Fröbel beworben und den Zuschlag erhalten. "Der Grundgedanke bei KEZ ist, Kinder zu fördern und Eltern dabei einzubeziehen. Denn die Eltern sind die wichtigsten Erzieher, und viele wissen gar nicht, was ihre Kinder bereits alles können und was nicht", erklärt Monika Unser, die Leiterin der Einrichtung. Dabei steht die ganzheitliche Förderung der Kinder - von Anforderungen im Alltag bis zur Bildung - im Mittelpunkt.

109 Kinder zwischen null und sechs Jahren werden in der Kita Friedrich Fröbel betreut. Etwas weniger als die Hälfte der Kinder hat nur einen gesetzlichen Anspruch auf fünf Stunden Betreuung, weil eines der Elternteile ohne Arbeit ist. Gerade bildungsferne Familien sollen durch KEZ abgeholt werden. "Wir wollen betroffene Mütter und Väter stark machen, aber viele wollen sich nicht erreichen lassen", sagt die Leiterin. Kindern aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien ein "normales Leben" ermöglichen - das beginnt bei gesunder Ernährung, geht über sinnvoll genutzte gemeinsame Zeit mit Eltern bis hin zu Interaktion. "Viele Eltern sind so wortarm", haben Unser und ihre Mitarbeiterinnen festgestellt. Die Konsequenz? Ein Kurs zur Sprache für Eltern.

Viele Eltern wüssten auch nicht, was sie mit ihren Sprösslingen unternehmen sollen oder wie Kinder altersgerecht gefördert werden, sagt Unser. Gemeinsame Bastel- oder Sportnachmittage machen den Kindern nicht nur Spaß, sondern bringen so auch die Erwachsenen ein Stück weiter.

Die Angebote der Kita sind generationsübergreifend: Großmütter besuchen die Tagesstätte regelmäßig, um Märchen vorzulesen. Aktuell sind die Mitarbeiterinnen auf der Suche nach einem handwerklich begabten Opa, der für die Kinder eine Holzwerkstatt leitet.

Priorität hat in der Fröbel-Kita auch gesunde Ernährung. Für Eltern gibt es Kurse, in denen verdeutlicht wird, wie man sich für wenig Geld gesund ernähren kann. Die Eltern-Arbeitsgemeinschaft "Gesunde Küche" zeigt sich mittlerweile für alle Büfetts bei Festen und Veranstaltungen verantwortlich. Und Karin Schulz bereitet den Kindern in der Gruppe von Tochter Henriette regelmäßig eine Woche im Monat jeden Morgen ein gesundes Frühstück zu.

KEZ bedeutet für Leiterin Monika Unser, Projektverantwortliche Sabine Anderson und die 17 Kolleginnen nicht nur eine große Umstellung, sondern auch viel Arbeit in der Freizeit. Vor allem der Kontakt zu den Eltern habe sich durch das Projekt sehr verbessert. Unser: "Auch wenn wir nicht alle Eltern erreichen, stimmt uns die bisherige Resonanz sehr zufrieden."