Bildung Bildung: Viele Wege führen zum Studium
Hannover/Bonn/dpa. - "Sie merken, dass sie mehr können, als der Beruf zulässt", erklärt Prof. Andrä Wolter vom Hochschul-Informationssystem in Hannover. Zudem gebe es Spätentwickler, die diesen dritten Bildungsweg nutzen.
Zwischen 23 und 30 Jahre alt ist das Gros derer, die ihren Beruf gegen die weitere Ausbildung in Hörsaal und Bibliotheken eintauschen. "Durch die Anforderungen wird ihnen ja direkt oder indirekt ein Mindestalter für das Studium vorgeschrieben", sagt Wolter. Nach dem Schulabschluss eine erfolgreiche Ausbildung und einige Jahre Berufserfahrung - das sind die Mindestqualifikationen, die die Hochschulen vor eine Aufnahmeprüfung oder ein Auswahlgespräch stellen. "Die Bundesländer haben das unterschiedlich liberal geregelt", sagt Wolter. Im Norden ist der Zugang zu den Hochschulen für die Ausgebildeten einfacher, Bayern und Baden-Württemberg legen die Latte für Nicht-Abiturienten höher. Die Dauer der verlangten Berufserfahrung variiert von Bundesland zu Bundesland. "Auch die anderen Zulassungsvoraussetzungen regeln die Länder, zum Teil haben sogar die einzelnen Hochschulen unterschiedliche", sagt Grob.
Manche Unis und Fachhochschulen verlangen eine Hochschulzugangsprüfung, andere ein Probestudium, wieder andere die Fortbildung zum Meister, Fachwirt oder Techniker. Auch ein verbindliches Beratungsgespräch gehört an zahlreichen Hochschulen zum Bewerbungsprozedere. "Einheitlich allerdings ist, dass sich jeder Bewerber für einen bestimmten Studiengang entscheiden muss", sagt Grob. Der Fachwechsel ist mit weiteren Schwierigkeiten verbunden.
"Die Hürden sind für viele zu hoch", bemängelt Kerstin Mucke, wissenschaftliche Angestellte beim Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Das Interesse sei groß, aber nicht jedem sei wohl dabei, für ein Vollzeitstudium den Beruf - wenn auch nur auf Zeit - aufzugeben. Hinzu komme, dass viele Seiteneinsteiger an eine Region oder einen Ort gebunden sind. "Sie sind schon verheiratet oder haben Kinder", sagt Wolter. Und auch die Hochschulen lassen keine große Wahlfreiheit zu: "Eine Zugangsberechtigung bekommt man nur in dem Bundesland, in dem man die letzten Jahre gewohnt hat." Studien zeigen dennoch immer wieder, dass die späten Akademiker den Abiturienten in ihren Leistungen nicht nachstehen. "Wer sich so einer Ochsentour unterzieht, dem ist es mit dem Studium ernst", sagt Grob. Mucke hat festgestellt, dass die Seiteneinsteiger zielgerichteter und häufig erfolgreicher studieren.
"Auch die Studienzeiten sind etwas kürzer", erläutert Wolter. Allerdings seien die Nicht-Abiturienten selten in den Ingenieur- und Naturwissenschaften zu finden. "Sie studieren eher die weicheren Fächer wie Sozialwissenschaften, Wirtschaft oder Pädagogik", sagt er. Hinzu komme, dass sie ein Studium in vielen Fällen auf ihren gelernten Beruf draufsatteln. Damit hätten sie in Sachen Praxis den Abiturienten eine Menge voraus.
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