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30 Jahre später 30 Jahre später: Der schwierige Weg zur Anerkennung von DDR-Abschlüssen

16.08.2019, 05:46
Ein verwitterter Grenzpfosten der DDR
Ein verwitterter Grenzpfosten der DDR ZB

Erfurt - Fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung beantragen in Thüringen noch immer Absolventen von DDR-Hoch-, Fach- und Ingenieurschulen die Anerkennung ihrer Abschlüsse. Pro Woche gingen derzeit durchschnittlich bis zu fünf derartige Anträge ein, sagte eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei geht es darum, Abschlüsse von DDR-Ausbildungsstätten auf heutigem Thüringer Gebiet als gleichwertig mit West-Abschlüssen anzuerkennen. Seit 1990 haben dies in Thüringen laut Ministerium etwa 90.000 Menschen beantragt. Wie viele Anträge letztlich bewilligt wurden, konnte das Ministerium zunächst nicht angeben.

Anerkennung von DDR-Abschlüssen in Einigungsvertrag geregelt

Die Anträge kommen demnach hauptsächlich von Absolventen der Fach- und Ingenieurschulen, deren Qualifikationsniveau also zwischen Facharbeiter- und Hochschulausbildung liegt. Sie benötigten den Nachweis entweder für Job-Bewerbungen oder auch zur Anerkennung von Rentenansprüchen, hieß es. Die Anerkennung von in der DDR erworbenen schulischen, beruflichen und akademischen Abschlüssen ist im deutsch-deutschen Einigungsvertrag geregelt.

Ein direktes Pendant zu den DDR-Studiengängen an Ingenieur- und Fachschulen in Westdeutschland gab es laut Ministerium oft nicht. Viele dieser Abschlüsse seien jedoch mit denen vergleichbar, die im Westen an Fachhochschulen erworben wurden. Die Absolventen können deshalb die Nachdiplomierung beantragen. Dabei müssen sie mindestens drei Jahre einschlägige Berufserfahrung nachweisen, um den Diplomgrad mit dem Zusatz FH (Fachhochschule) zuerkannt zu bekommen.

In Thüringen gab es in der DDR neben mehreren auch heute noch bestehenden Hochschulen einige Fach- und Ingenieurschulen, die in dieser Form nicht mehr existieren. Dazu gehörten zum Beispiel die Ingenieurschulen für Bauwesen in Gotha, für Baustofftechnologie in Apolda und für Veterinärmedizin in Beichlingen. Pädagogische Fachschulen zur Ausbildung etwa als Lehrer für die 1. bis 4. Klassen bestanden in Weimar und Nordhausen. In Weimar wurden auch Staatswissenschaftler an einer Fachschule ausgebildet. (dpa)