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Fußball macht Spagat Fußball macht Spagat: Quali-Runde für ein Jahr auf Eis gelegt

Von Michael Hübner 19.06.2020, 09:12
Das war das Topspiel in der Wittenberger Kreisoberliga zwischen Jessen und Pratau.
Das war das Topspiel in der Wittenberger Kreisoberliga zwischen Jessen und Pratau. Evelyn Jochade

Wittenberg - Die drei Präsidenten der Fußballverbände Wittenberg, Anhalt und Bitterfeld haben am Mittwochabend in Zörbig einen Spagat beschlossen: Die Qualifikationssaison wird für ein Jahr auf Eis gelegt, die geplante Fusion aber weiter forciert. „Wir haben die Quali-Runde im Herrenbereich nach hinten verschoben, da ja aktuell nicht gewährleistet ist, dass wir in der Saison 2020/21 aufgrund der Corona-Pandemie einen fairen Wettbewerb garantieren können. Die Qualifikation für die zwei Kreisoberligen wird dann erst zur Spielzeit 2021/22 erfolgen“, erklärt der Bitterfelder Präsident Ralf Saalbach.

Nach seinen Angaben soll der Sinn der Fusion weiter verfolgt werden. „Wir wollen dabei natürlich die Regionalität bewahren“, so Saalbach.

Die Zukunft fest im Blick

Nach seinen Angaben werde die Kooperationsvereinbarung am 27. Juni unterzeichnet. „Im Frühjahr 2021 werden wir dann auf einem großen Verbandstag alles finalisieren“, so Saalbach zum Zeitplan. Seine Verband steht allerdings stark da. Für die nächste Serie haben 100 Nachwuchsteams bereits gemeldet. Auch die Zahlen im Erwachsenenbereich sind stabil. Die Kreisoberliga wird sogar durch den freiwilligen Rückzug vom Landesligisten Friedersdorf eben in diese Spielklasse noch attraktiver.

„Es geht aber um die Perspektive. Wir arbeiten doch schon im Nachwuchs und im Schiedsrichterwesen zusammen“, so Saalbach. Die Sorgenkinder sind da eher Anhalt und eben auch Wittenberg. Das sehen die Bergwitzer Verantwortlichen, die mit ihrer Kritik der Anlass für das Treffen waren, aber anders. Sie plädieren für einen starken und eigenständigen Wittenberger Kreisfachverband (KFV). Ihr Lösungsweg ist simpel: Die Wittenberger Teams, die in Anhalt kicken, sollen für die hiesigen Ligen zurückgewonnen werden.

Söllichau spielt sogar über die Landesgrenze hinweg in Sachsen. Bergwitz wirft dem KFV Versäumnisse vor. So sei eben nicht mit den eigenen Teams, die auf fremden Territorium antreten, gesprochen worden. Das bestätigt auch Daniel Richter. „Wir wären gesprächsbereit gewesen“, sagt der Wörlitzer Abteilungsleiter, der seit zwei Jahren im Amt ist. „Ich persönlich hätte definitiv nicht abgelehnt“, erzählt Richter.

Die Wittenberger Kreisoberliga sei schon wegen „der Derbys mit Oranienbaum und Gräfenhainichen“ sehr attraktiv. Selbst die längeren Fahrstrecken - zum Beispiel nach Jessen - würden nicht abschrecken. „In Jessen werden wir jetzt auch in der Landesklasse spielen“, so Richter, der vor einem Votum für Wittenberg das Team mit einbezogen hätte.

„Ich bin so zufrieden wie es ist“, sagt Rene Gommert. Der Coswiger Abteilungsleiter, der als einen Grund kürzere Fahrstrecken nennt, möchte so lange wie nur möglich, in Anhalt verbleiben. „Wenn der Verband aber aufgelöst wird, orientieren wir uns nach Wittenberg“, so Gommert.

Keine offiziellen Gespräche

Offizielle Gespräche zu einem Wechsel kenne er nicht, sagt Michael Iwert. Lediglich zur Gebietsreform habe es eine Info-Runde in Kemberg gegeben. „Wir haben uns bisher aus organisatorischen Gründen für Anhalt entschieden“, sagt der Abteilungsleiter in Klieken und nennt „kürzere Wege und geringere Schiedsrichterkosten“ als Beispiele.

Dagegen wird das Votum zum Einfrieren der Quali-Runde von allen begrüßt. Das hat jetzt Auswirkungen auf die neue Saison in der Kreisoberliga. Es wird weniger Absteiger geben als befürchtet. „Das spielt uns in die Karten, ändert aber nichts an unserem Ziel. Für uns ist die oberste Prämisse der Klassenerhalt. Wir wollen uns in der Liga etablieren“, so Philipp Giersch, der Abteilungsleiter vom Aufsteiger Reinsdorf. (mz)