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Zuschauen lohnt sich Modellhubschrauber-Piloten kämpfen bei WM auf Flugplatz Ballenstedt: Schwebe- und Rundflugfiguren

Von Uwe Kraus 05.08.2019, 08:56
Die Modellhubschrauber des Teams USA beim Training.
Die Modellhubschrauber des Teams USA beim Training. Meusel

Ballenstedt - AC/DC dröhnt aus dem Autoradio. „Nein“, lachen die umstehenden Männer, „das ist nicht unsere Kür-Musik“. Sie lassen ihre kleinen Hubschrauber starten.

Auch kurz vor der offiziellen Eröffnung der Weltmeisterschaften im Modell-Hubschrauberkunstflug trainieren die Sportler aus aller Welt vor der „wahrhaft malerischen Kulisse für die Wettkämpfe in der Natur- und Tourismusstadt Ballenstedt im Harz“, wie sie im Hochglanzprogramm-Heft genannt wird.

Für die Profis auf diesem Gebiet hat der Ort und besonders sein Verkehrslandeplatz einen guten Namen. Schon 2012 traf sich hier die europäische Elite zu ihrer Meisterschaft. „Wir rechnen zu den Weltmeisterschaften mit einer höheren Beteiligung als noch zur EM, vor allem in der angesagten Klasse F3N“, erklärt Sebastian Brandes, Bundesreferent Modellflug im Deutschen Aero Club (DAeC).

Modellhubschrauber-Piloten treffen sich seit 210 zu Wettkämpfen in Ballenstedt

Beim Auftakt am Samstag zählt Ralf Bäumener, Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Aero Club, 72 Piloten aus 17 Nationen. Das Feld der Teilnehmer reiche von Südkorea über USA, Norwegen bis Spanien und Deutschland. „Nur eine Pilotin befindet sich darunter, Jiaxuan Li.“ Die 13-jährige Chinesin sammelt als F3C-Juniorin erste internationale Erfahrung, nachdem sie mit elf Jahren in den Modellsport eingestiegen ist.

Das Teilnehmerfeld der Weltmeisterschaften im Modell-Hubschrauberkunstflug startet in zwei Klassen: F3C und F3N. F3C bezeichnet den klassischen Hubschrauberflug.

Die Federation Aéronautique Internationale (FAI) gibt dafür mit Schwebe- und Rundflugfiguren jede vier Jahre ein neues Programm vor. Ein Punktwerterteam achtet auf die Präzision der Manöver.

Diese von den Fachleuten „Sportzeugen“ genannten fünf Männer bewerten auch die waghalsige Himmels-Manöver der F3N. Sebastian Brandes nennt sie „die Freestyler unter den Helipiloten“.

Flugmanöver werden ähnlich wie beim Eiskunstlauf von fünf Experten bewertet 

„Das ähnelt dem Eiskunstlauf“, erklärt Ralf Bäumener. „Hier dürfen die Sportler sieben aus 40 Pflicht-Figuren wählen, die unterschiedliche Schwierigkeiten aufweisen. Dann kommt die Kür, das ist das freie Programm, und als Höhepunkt die Musikkür. Uneingeweihte machen sich keine Vorstellungen, welchen Aufwand die Piloten betreiben, um aus verschiedenen Titeln die Musik zusammenzuschneiden.“

Der 52-jährige F3C-Mann Bäumener gilt als gestandener Modell-Hubschrauberkunstflieger. Er betreibt das Hobby seit zwei Jahrzehnten, bis in sein zwölftes Lebensjahr geht die Modellbaukarriere zurück. Bei großen internationalen Wettbewerben agiert er als Mannschaftsführer des deutschen Teams.

In Ballenstedt hat er als „Contest Director“, unterstützt von seiner Organisatoren-Mannschaft, den Hut für alles auf: Dass das Umfeld und der Zeitplan stimmen, die Linien für den Wettkampf mit dem großen Rasenmäher geschnitten werden und dafür, dass nur Piloten ins Weltmeisterschaftsrennen gehen, die auch die Antidopingvereinbarung unterzeichnet haben.

Viele Hubschraubermodelle starten nicht mehr mit Verbrennungs-, sondern mit Elektromotoren

Während die Russen Oleg Popov und Alexey Vasilchenko ihre Hubschrauber zur Mittagszeit in den Harzer Himmel schicken, werden nebenan die Modelle einem technischen Check unterzogen. Wer Hubschraubermodelle baut, muss schon technisch sehr versiert sein.

Klar, es gibt Bausätze, aber eingestellt und „eingespielt“ wird die Technik ganz individuell. Schließlich bedarf es einer eigenen Entscheidung, welcher Antrieb eingebaut wird. Modelle, die wie vor einigen Jahren noch eine „Alkohol-Fahne“ hinter sich herzogen, starten bei solch hochkarätigen Wettstreiten wie in Ballenstedt nicht mehr.

Statt Verbrennungsmotoren baut man elektrische Antriebe ein. Jedes der Modelle, gewöhnlich geht es mit zweien an den Start, kostet um die 5.000 Euro, sodass meist in Wettkampfgepäck der Wert eines Kleinwagens steckt.

Bei der WM vor vier Jahren gab es zweimal Silber für deutsche Modellflieger

Ralf Bäumener wagt eine Prognose zu den Chancen des Heim-Teams. „Im F3C sehe ich sehr gute Platzierungen, die F3N-Mannschaft ist sehr jung und eher auf die Zukunft orientiert.“ Deutschland sei sowohl als Mannschaft als auch im Einzel mehrfach ganz weit vorne mitgeflogen. Bei der WM vor vier Jahren gab es zweimal Silber-Platzierungen.

Für die kommenden Tage hoffen die Veranstalter auf tolles Flugwetter, auch wenn sie bereits einen Ersatztag eingeplant haben. „Und wir wünschen uns ganz viele Besucher. Die erleben Weltklassemodellsport für lau.

Ein absoluter Höhepunkt für Zuschauer wie Fotografen wird am Mittwoch ab 22 Uhr das Nachtfliegen mit beleuchteten Hubschraubern werden. Zuschauerwirksam präsentieren wir am Freitag und Samstag auch die Finale“, verspricht Ralf Bäumener. (mz)

Juan Josè Martì Albero vom Team Spanien bei der Abnahme mit Wiegen und Vermessen des Modells
Juan Josè Martì Albero vom Team Spanien bei der Abnahme mit Wiegen und Vermessen des Modells
Jürgen Meusel