Biber in Köthen Biber in Köthen : Kleingärtner befürchten Überschwemmung

köthen - Gesehen hat ihn noch niemand. Auch nicht, als man nach ihm in der Nacht bei Vollmond suchte. Doch sein unermüdliches Schaffen ist bei Tageslicht nicht zu übersehen.
Die Rede ist von einem Biber, der irgendwo an der Ziethe ein Quartier bezogen hat. Was insbesondere die Kleingärtner aus der Köthener Gartenanlage „Einheit“ beunruhigt. Denn der Biber hat einen Damm gebaut, so dass sich die Ziethe staut und angestiegen ist, um mindestens einen Meter. „Etwa seit Juni ist der Biber da. Wir befürchten, dass er durch seinen kontinuierlichen Dammbau eine Überschwemmung unserer Gärten verursachen könnte“, sagte Kleingärtner Gerhard Elstner der MZ.
Elstner und die anderen „Einheit“-Gartenfreunde haben noch gut die Bilder vor Augen, als vor ein paar Jahren nach der Schneeschmelze die Anlage durch die Ziethe komplett überflutet war. Das wollen sie nicht noch einmal erleben. Die Bemühungen, das Nagetier zu vertreiben, blieben ohne Erfolg. Die Kleingärtner entfernten, so weit sie an den Damm heranreichten, das verbaute Material, so dass sich der Stau in der ohnehin träge fließenden Ziethe zumindest ein wenig verringerte. „Am nächsten Tag war der Damm wieder geschlossen. Der Biber ist ungemein fleißig“, schilderte Elstner.
Der Garten von Gerhard Peters liegt unmittelbar an der Ziethe. Der 79-Jährige beobachtet argwöhnisch jeden Tag den Wasserstand. „Wenn jetzt große Niederschläge kommen, dann läuft das Wasser der Ziethe in die Anlage hinein“, ist er überzeugt. Die Kleingärtner haben sich an das städtische Umweltamt gewandt und auch an einen Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes Westliche Fuhne-Ziethe. Viel Hoffnung wurde ihnen aber nicht gemacht, der Biber sei ein geschütztes Tier, hieß es.
Das bestätigt auch Andreas Rößler, Leiter des Umweltamtes der Landkreisverwaltung. „Wir wurden von der Stadt Köthen informiert und haben uns vor Ort ein Bild gemacht“, teilte Rößler auf MZ-Anfrage mit. Danach handele es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein junges Einzeltier. „Würden hier mehrere Biber leben, wäre der Bau viel größer“, sagte Rößler. Mit dem Beginn der Geschlechtsreife verlassen die Jungbiber den Familienverband. Das Gebiet, das sich das Tier ausgesucht hat, ist laut Rößler ein sogenanntes „suboptimales Habitat“, also ein Lebensraum, der nicht die besten Bedingungen aufweist. Das gab für das Umweltamt den Ausschlag, einem Antrag des Unterhaltungsverbandes Westliche Fuhne-Ziethe zuzustimmen. Mitarbeiter des Verbandes entfernten am Mittwoch das an der Kleingartenanlage angehäufte Totholz und Schwemmmaterial und beseitigten so den Stau. „Der Biber wird weiter marschieren und sich einen neuen Ort suchen“, sagte Rößler.
Gerhard Elstner freute sich, dass die Sorgen der Kleingärtner bei den Behörden Gehör gefunden haben und dass gehandelt wurde. Genauso gut hätte aber auch entschieden werden können, dass nicht eingegriffen wird. „Jeder Fall, wo es durch Biber zu Problemen kommt, wird sorgfältig geprüft“, betonte Amtsleiter Rößler. (mz)