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Thüringen Thüringen: Museum präsentiert naturwissenschaftliche Sammlung

15.04.2004, 15:42
Einen Insektenkasten mit exotischen Faltern zeigt Museumsmitarbeiter Ronald Bellstedt im Museum der Natur in Gotha. Mit der Sonderausstellung "Gothaer Schatztruhe", die am 17. April eröffnet wird, soll an den Tag vor 125 Jahren erinnert werden, an dem das Herzogliche Museum in Gotha erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. (Foto: dpa)
Einen Insektenkasten mit exotischen Faltern zeigt Museumsmitarbeiter Ronald Bellstedt im Museum der Natur in Gotha. Mit der Sonderausstellung "Gothaer Schatztruhe", die am 17. April eröffnet wird, soll an den Tag vor 125 Jahren erinnert werden, an dem das Herzogliche Museum in Gotha erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. (Foto: dpa) ZB

Gotha/dpa. - Das Museum der Natur in Gotha öffnet an diesem Samstag zum 125-jährigen Gründungsjubiläum seine Schatztruhen. Zwei Sonderschauen zeigen Kostbarkeiten aus den zum Teil mehr als 300 Jahre alten naturwissenschaftlichen Sammlungen, sagte Museumsdirektor Rainer Samietz am Donnerstag. Am 17. April 1879 wurde das Neue Herzogliche Museum als einer der ersten reinen Museumsbauten im mitteldeutschen Raum eröffnet. Die Schirmherrin, Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht, sagte, es sei eine Herausforderung, junge Leute für Naturwissenschaften zu begeistern.

Gotha war damals ein Zentrum naturwissenschaftlicher Forschung in Deutschland. «Auf Befehl Sr. Hoheit des Herzogs wird das neue Museum Donnerstag, den 17. April eröffnet und können an diesem Tage in der Zeit von 10-1 Uhr Vormittags sämmtliche Sammlungen unentgeltlich besichtigt werden.» So lautete eine Bekanntmachung in einer Zeitung, die das Ereignis damals ankündigte. Im Gegensatz zu heute beherbergte das Gebäude im Stil der Neorenaissance in der Nähe von Schloss Friedenstein fast alle Sammlungen der kunst- und natursinnigen Herzöge - Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett, Kunst- sowie Naturalienkabinett.

Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha hatte den Bau 1863 in Auftrag gegeben. Doch immer wieder gingen Landtag und Herzog das Geld aus. Architekt Franz von Neumann (1815-1888) orientierte sich an der von Gottfried Semper entworfenen Dresdner Gemäldegalerie. Die großen Fenster und Oberlichtsäle boten beste Bedingungen für Kunst und Tierschauen. Eine Bronzestatue von Ernst II. empfängt die Besucher zum Auftakt des Rundgangs.

Die Herzöge sammelten alles, was fremdartig oder kurios war. Das zoologische Magazin, das erstmals zum Jubiläum geöffnet wird, offenbart sich als wahre Schatztruhe. Rund 5000 Vogelpräparate, in Alkohol getränkte Wirbeltiere, hunderte seltsam geformte Gehäuse von Muscheln und Schnecken und rund 4000 Kästen mit Insekten sind im Depot dicht an dicht gereiht. Von der Decke baumelt eine Riesenkrabbe aus der japanischen Tiefsee.

Ein wissenschaftlicher Schwerpunkt des Museums sei neben Ursaurier-Grabungen die Erforschung von Wasserinsekten der Gebirgsflüsse, sagte Samietz. «Unser Stolz sind etwa 50 so genannte Typen von Insekten. Das sind die Originaltiere, die erstmals wissenschaftlich beschrieben wurden und dauerhaft aufbewahrt werden müssen.»

Neben jüngst entdeckten Ursaurierskeletten zeigt das Museum zum Jubiläum auch einen ausgestopften Grizzlybär, Nashorn, zwei Strauße und eine Schauvitrine mit Kuriositäten aus dem Entstehungsjahr 1879. Erstmals nach zehn Jahren werden wieder 120 Minerale und Gesteine präsentiert. Darunter sind ein Riesenbernstein aus Russland, Gold auf Quarz aus Rumänien oder Silber aus Freiberg in Sachsen, sagte Kustos Thomas Martens. «Sie dokumentieren auch die politischen Verbindungen zwischen den alten Herrschaftshäusern.»

Das Museum der Natur ist von Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 16.00 Uhr (ab Mai 17.00 Uhr) geöffnet. Eine normale Eintrittskarte kostet zwei Euro.

Menschliche Schädel in der historischen anatomischen Sammlung im Museum der Natur in Gotha. (Foto: dpa)
Menschliche Schädel in der historischen anatomischen Sammlung im Museum der Natur in Gotha. (Foto: dpa)
ZB